Montag, 19. Oktober 2009

O'Reilly's Katze

Jemand machte mal die Bemerkung dass O'Reilly ein Griesgram zu sein schien. Was mich an ein Buch erinnerte, "The Cat and the Curmudgeon" (Die Katze und der Griesgram). Ich habe eine kleine Tigerkatze, die gerne ihren Kommentar abgibt und "antwortet" wenn man sie etwas fragt. So ist es dann passiert.


O'Reilly schob den staubigen, nikotingelben Vorhang vorsichtig zur Seite und spähte hinaus.
Ah, sie war nicht zu sehen, hatte wohl aufgegeben!!
Triumphierend rieb er sich die arthritischen Hände und machte ein paar wackelige Schritte eines Reel.
Lästiges Weib, sich auf seiner Türschwelle breitzumachen und ihn mit schriller Stimme anzublöken, sobald er die Tür auch nur einen Spalt öffnete. Folgte ihm überall hin, sogar in McCarthy's Pub, das schamlose Frauenzimmer. Letzte Woche hatte er versucht, aus dem Fenster des Hinterzimmers zu klettern, damit sie ihn nicht sah, aber das Fenstersims war zu hoch gewesen.
"Na ja," sagte O'Reiily, "was solls, das Fenster war eh zu klein...."

O'Reilly nahm eine weniger schäbige Schiebermütze vom Kleiderrechen an der Wand, band ein etwas saubereres Halstuch um seinen dürren alt-Männer-hals, steckte Hausschlüssel und Brieftasche ein und öffnete pfeifend die blaugestrichene Tür seines kleinen Cottages.

"Mrrouw"

Papst Benedict's Knieschoner!!
Da war sie ja doch schon wieder, das vermaledeite Weib!! Warum nur mußte sie sich von allen Leuten hier im Dorf ausgerechnet Seamus Daniel O'Reilly aussuchen? Was war mit der Witwe Maguire? Warum ging sie da nicht hin? Die verfütterte ihre ganze Rente an die blöden Viecher, da machte eines mehr auch nichts mehr aus.

"Mrrouw!!"

O'Reilley knallte die Haustür zu und ignorierte die kleine Katze.

"MMrrouw!!!"

O'Reilly marschierte unbeirrt weiter, die vor sich hinplappernde Katze hinterher.

"MMRROUW!!!!"

"St. Patricks Pfeifenreiniger!!" schimpfte O'Reilly, "willst du wohl aufhören, hier herumzuzetern?"
Die Katze setzte sich vor ihn hin, gähnte und zwinkerte ihm zu, bevor sie sich das linke Pfötchen leckte.

Shaunessy, der am Gartenzaun lehnte und an seiner Pfeife nuckelte, kicherte. "Na, hat ja einen Heidenrespekt vor dir, die Kleine, was? Erinnert mich an deine Shannon."
O'Reilly sah ihn giftig an, zog die Schiebermütze tiefer in die Stirn und marschierte weiter, die Hände in den Hosentaschen und vor sich hinknurrend. Auf die kleine Tigerkatze achtete er jetzt noch weniger.

"MMRROUW!!!"

"Ach, halt die Klappe!" maulte O'Reilly.

Bei Finnegan angekommen, der wie immer im Garten herumwerkelte, ließ sich O'Reilly auf die Bank fallen, zog ein angegrautes Taschentuch hervor und wischte sich die Stirn.
"Mmrrouw?" erkundigte sich die kleine Katze höflich bei Finnegan, der sich steif hinunterbeugte und ihr das Köpfchen streichelte. "Danke, gut, Mavourneen." sagte er und O'Reilly schnaubte. "Mit Katzen reden, soweit kommt's noch!!

Er suchte unter der Bank nach Finnegans Bierflasche. Die kleine Katze sah ihm zu. Gerade setzte er an, um einen Schluck zu trinken, da sprang sie ihm laut schnurrend auf den Schoß.
"St. Columban's Castagnetten!" fluchte O'Reilly."Laß den Blödsinn!"
Finnegan lachte. "Ich glaub, sie mag dich, du alter Brummbär."
"Na ja......." sagte O'Reilly.

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