Montag, 19. Oktober 2009

O'Reilly's Sommertag

 Diese Geschichte entstand an einem Tag, an dem eigentlich kein Angelwetter war.....

O'Reilly saß unter der alten Weide im Gras, die knorrigen Füße in das frische, kühle Wasser des munter gurgelnden Baches gestreckt. Neben ihm dümpelte eine sorgfältig festgebundene Flasche Ale. Es war ein herrlicher, irischer Vorsommertag, von der sorte die Touristen nur aus Bücher und Reiseprospekten kennen.
Hinter sich hörte er das kreischen und lachen der Zwillinge Marcus & Shaun, die sich über die Wiese jagten. Johlend sausten sie an ihrem Großvater vorbei und platschten wie Mühlsteine ins Wasser. Mavourneen, die kleine Katze, saß an O'Reillys anderer Seite und brummte maßregelnd. Sie hoffte schon die ganze Zeit auf einen Fisch. Egal, O'Reilly benutze die Angel eh nur als Alibi. "Na ja," erklärte er seinem Stubentiger, "sind halt Jungs."
Summend holte er die Schnur ein, warf sie wieder aus und gähnte.
Er erinnerte sich, als er und seine Brüder hier gespielt hatten. Sie hatten genauso gejohlt und gekreischt, sich wie Mühlsteine ins Wasser platschen lassen und Großvater die Fische vertrieben. Sie hatten sich sonnenbrand geholt, die Schienbeine an der Rinde der Weide aufgeschürft beim hinaufklettern, Forellen "gekitzelt" und Ringkämpfe veranstaltet.
Über O'Reilly in der Weide blökte jemand "Opa, guck mal!" dann fiel ein rothaariges etwas mit einem riesenplatsch in den Bach. Als er sich das Wasser aus den Augen wischte, mußte O'Reilly grinsen. Manchmal war es schon gut wenn sich Geschichte wiederholte.

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